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#003 — momentary stays

Maybe this is what the poets warned about—Werther and Wordworth and Whitman, all the wigged-out piners down the ages—maybe it wasn’t precisely petunias and print media and high-speed rail they were worried about, but this exact moment.

—Michelle Orange, from This is Running for Your Life


Dear Friends of Verse,

I’ve kept you waiting and I would love to say: that was the purpose of this “momentary stays / verweilen” issue. Don’t believe it. My enchantment with this title stems, of course, from Frost’s famous dictum that a poem, at best, ends in a “momentary stay against confusion”. There is, however, a dynamic in this lingering, without which this small, intermittent triumph would not be possible: delight, inclination to an impulse, direction, luck, wildness of logic, surprise. See if you agree.

—almost June 2014

Featured Poets:

// Sascha Kokot
// Terri Witek
// Kathrin Bach
// Jacob Collins-Wilson
// Shlomo Licht
// Sarah Kersey


The artwork was contributed by Kevin Kopacka, a painter and video artist whose works often try to encompass a vacancy, a blank, that uncanny void we carry around with ourselves, but usually refuse to spend time with. Kevin lives and works in Berlin, and exhibits across Europe.


Sascha Kokot

3 Gedichte

ich schneide eine immer kleinere Form
für meine Tage die Stunden bei Licht
wenn wir unsere Strecken ablaufen sollen
unter den anrollenden Gewittern
die uns vergessen zurücklassen
mit trägen Schwalben auf den Leitungen
später nähern sich große Hornissen oder
eine versprengte Patrouille vom abfallenden Gelände
nichts Aufregendes geschieht hier
nur werden wir zermahlen
zwischen den letzten Tagen die es
kleingeschnitten zu schlucken gilt
den staubigen Rest wäscht mir die Nacht
im Schlaf aus den Kleidern

···

am Morgen wenn die Hände noch streiken
den Katzen das Fell bis über die Pfoten reicht
sammelt sich Windbruch auf dem Steinboden
und es wartet dazwischen die schwarze Kohle
der alte Heizer kehrt seine Wörter zusammen
bevor er beginnt in regelmäßigen Zügen zu schippen
so verbringt er die Tage im Moderlicht unserer Keller
wärmt uns die Wohnungen und bleibt
im Treppenhaus grußlos zurück
uns Kindern sagt man dem Vater fehle die Zunge

···

seit deiner Abfahrt
warte ich auf die Nächte
das Einrieseln der Kälte
doch niemand gibt ein Zeichen
es fehlt deine Unruhe
die mich in den Schlaf drängt
solange fressen sich die Tage ein
flimmern die Stunden vorüber
werde ich zunehmend ungehalten
auch bieten die Betten keinen Schutz
sie sind von Tieren besetzt
durch ihre Nickhäute beobachten sie mich
wie ich ohne Gepäck dir langsam nachkomme


Sascha Kokot schreibt Lyrik, bei der einen die Augenblicke in Scheiben schneiden. Es ist das Fragen nach einem Ort, einem Zeitpunkt, einer Person, das so weh tut, dass man sich in der Wiederholung Linderung zu schaffen sucht. Natürlich ist das keineswegs nur unangenehm. Im Gegenteil; sowie die Welle stets an dasselbe Ufer schwappt, spült sie den Schatz frei.
1982 in der Altmark geboren, bog Sascha Kokot zunächst in die Informatik ab, mit einem Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig wandte er sich der Photographie und dem Schreiben zu. Man liest bisweilen, seine Gedichte entfalteten nur in einer Vollzahl — wie in seinem Debütband Rodung (2013), erschienen bei Edition AZUR — ihre Macht und subtile Fülle, doch allein diese gedrungene Selektion hier beweist das Gegenteil.


Terri Witek

Photography Today (a surveillance tape)

I’m saying give notice 20 square feet of what is it
I’m saying one last LA brush-off (a face?)
one son like beautiful shoes from the 70’s no not
like music the shot still slightly hung over and one
of the large ones (a window?) OK I’ll come back for you
just I can picture it endless birds the terrible thing
if you went to the sea my god I believed in the excellence
of objects 11,000 steps to his forefinger hiding
no not like music gloves in the other what I love is
the erasing of water panicked jumping out getting
pulled I’m saying shoot there end here you know
it’s sunlight a miniature maybe a series maybe Sierra
Leone OK I’ll come back for you didn’t come looking
I’m saying I have done nothing for you as I semi-know


Terri Witek has published five poetry collections, among them winners of the Florida Book Award and the Center for Book Arts Contest. Born in northern Ohio, she teaches English at Stetson University, where she holds the Sullivan Chair in Creative Writing and regularly receives awards for her outstanding teaching.
Throughout her career she has worked with visual artists, and the reverberations between mediums is explored in much of her work. Her collaborations with Brazilian new media artist Cyriaco Lopes have been featured in galleries or site-specific projects in New York City, Los Angeles and elsewhere. Of late, she’s been collecting and collaging what people say while they’re working—hitches in a surveillance tape—and she was so generous as to share one of those hitches in Verse.


Kathrin Bach

rückenwind

ein rückenwind
kräftig wie zehn deiner hände
drückt sich in mein hohlkreuz
drückt feinglieder in mich hinein
tiere stecken nun in mir fest
sitzen zwischen vorder-
und hinterhaut stechen
von innen nach außen tropfen
dass ich zu einem raum werde
mit wänden einem flur

aggregat

ich habe den fluß lange fließen gesehen
nun ist er ein durchsichtiges brett
an manchen stellen siehst du fische
ich weiß nicht ob es noch fische sind
im juli presse ich mich nackt darauf
damit ich im august von oben hinein
teil des brettes werde in etwa ein fisch
daraufhin drückst du deinen körper
gegen meine neue glasige umgebung
das brett unter dir verfärbt deine haut
bis du zu mir hinunter schwappst

gut in der zeit

das meer als bassin gefüllt
mit versenkten schiffen aus plastik
gabeln und messer und teller
blaue weintrauben als korken
stecken uns zwischen den lippen fest
unter uns der steg wie eine zunge
streckt sich den jollen entgegen
ich hab meine hüftknochen
für dich einpacken lassen
in segeltuch das kannst du nun hissen


Kathrin Bach ist 1988 geboren, irgendwo in Hessen aufgewachsen und hat dann ein Studium der Kultur­wissen­schaften & Ästhe­tischen Praxis und des Lite­rarischen Schreibens begangen. Sie schreibt Lyrik, Prosa und angeblich hin und wieder einen Brief.
Man weiß nicht genau, ob ihre Gedichte körperlich gespannt oder einfach entspannt körperlich sind, in jedem Falle sind sie es nur irgendwie. Zu leugnen ist aber nicht die gleichsam schöne, reizende Materialität der Teile, der Tiere, des Tuns. Es wird wohl Zeit für eine Sammlung.


Jacob Collins-Wilson

Day 2

The bathroom windowsill is a melted snowman
naked & wondering where your contact cases went.
Everything is lonelier now. And whiter.

I tried turning the light off & back on.
Even spun the fan, started the shower,
walked backward with my eyes closed & hands patiently at my sides like still swings.

Let us talk about when
your black glasses case found me
in the morning: It was a bird
splashing in a pond. I paused, just before getting into the shower
& watched the steam dance around it;
I could smell your cinnamon eyes.

Why don’t you give me your hair tie
so I can look a little more like your father?
You’re still lying, face pressed into the pillows,
maybe crying, maybe smiling, maybe stifling
another joke. I’m still tilting the hot pan
watching the grease slip back and forth
waiting for it to cover every inch. I will pour the batter
& you’ll roll over, thank me, pour too much syrup
& eat. Even then, I’ll know you’ll put both cases
into your bag, head home, even if it’s raining, & I’ll wait
with the window open
for spring to come with the wind.

I Will Raise An Army

Your shoulders make me want to raise an army and burn down the Capitol.
—From Matthew Dickman’s “Getting It Right”

In some moments, I wonder if this will be a moment I remember.
—T.D.

So I think a little bit harder
pressing the sound of your breathing
into my brain like a heated brand.

The first time I wanted to remember,
music moored us to the Earth while
electricity shocked our bodies
out and out and out into other orbits.

Every day I’m afraid
I’ll lose the images
then the smells will slide off
then your skin
& the moles on your back
the birthmark on your throat
the slope of your nose
your lips on mine—
Tell me, what hope
have I against time?


Jacob Collins-Wilson is the high-gain, high-fiving English high-school teacher you wish you’d had. His poetry appeared in Spillway, Hobart, Spry, Split Lip, and Crack The Spine (Selected for Summer Anthology) among others, in addition to being a finalist for the Best of the Net 2013 anthology and recipient of an Atlantic Center for the Arts residency with Patricia Smith. While some of his poems deal almost obsessively with minuscule details of Baseball philosophy, this selection shows his sensibility for the fabrics of togetherness. In August he starts earning an MFA in Poetry at Syracuse University. He can be reached by everyone at emailingjacob@gmail.com (preferably, if you’re in for a game of baseball).


Shlomo Licht

Halbschatten

Wir lagen im Halbschatten
Und lasen Faldbakken
Und das Eis tropfte Dir aufs Kinn.

Auf unseren Faltmatten
Ruhten halb kalt Backen
Wir wandten sie zur Sonne hin.

Dein halbseidenes Kleid bebte
Es roch nach Lavendel und Eibe.

Dertod

Er kommt auf leisen Sohlen,
Dich im Schwimmbad abzuholen.
Schlüpft aus seinen Badelatschen.

Die Pommes
mit Mayo beglücken Dich nicht.
Bomben aus Arsch, beglitzert
von Gischt;
der Propeller der Cessna
zerpflückt Dein Gesicht.

Eintausend wehende Blätter von Mohn,
Kohlweißlinge blühen umeinander.
Nein. Es ist bloß
ein Currywurstdurcheinander.

Und Dein Hirn fliegt, wie lieblich,
über Fliesen des Fußbeckens.

Es ist noch Nacht

Es ist noch Nacht übrig von gestern.
Lass uns auf Socken in die Küche hocken,
die Luft anhalten und Zerbröseltes mit klebrigen Fingern zu Stapeln stapeln.
Umarmt formen Ohren den ersten Tunnel zwischen zwei Hirnen
und spüren, dass mein Herz noch brummt vom Bass des Erdkerns.


Shlomo Licht wuchs in den 80ern im Zweistromland auf und verkraftet Grenzen bis heute nicht gut. Gegen Ende einer Kindheit in Calw entdeckte er eine Ausgabe von Ginsbergs Howl, studierte daraufhin Philosophie und Physik in Heidelberg und Pisa und schrieb für verschiedene Zeitungen. Er lebt und arbeitet in der toskanischen Provinz.
Seine Lyrik zeugt von einer Besessenheit mit Zeitfenstern, die, einmal geöffnet, die Sicht auf lediglich einen weiteren Augenblick hinter der Oberfläche freigeben, wie ein Zoopraxiskop sich um sich selbst drehen und so wiederholbar sind, dass man sich nicht daran sattsehen mag. Ende des Jahres erscheint sein erster Gedichtband.


Sarah Kersey

I Spar By Myself

All humans live in air, not on ground.
Formed from soil, float around.
Scattered brains, mind contains
follies of thoughts, volleyed.
Hey, she, they:
Are ideas conveyed
In terms of
Weight, in “is per are,” or is/are.
No drying, no crying.
All humans glide together.
Pulled towards one another.
If one goes home=the other goes home,
Then both are home.
If one goes out=the other goes out,
Then both are out.
If one spills…
…then the other is separate.
The one cannot flow into the other.
The other will always be dry.
It’s like when a vase gets snatched up just in time
when the wine spills across the table. Spills always cry. Vases are dry.
Thus, one can never assume that the other thinks or talks about him as much…
…because he doesn’t. For, every single mention of A is equal to the half-mention of B. If your name starts with T, he’ll only cross the smallest one when balancing his checkbook.
Meanwhile, the one is dreaming about the other every single night, and he clamors
for sleep. As a result, one must learn to deal with the newly-acquired
irrelevance. How to be irrelevant…without crying.
Smiling while dialing the morgue.


Sarah Kersey is a young poet and musician, living and writing in Northern New Jersey. She is an experienced poetry slammer and her poems have been featured in Catch & Release. With the human at their center, her poems often follow the musical steps that a universal human rhythm seems to dictate, making them almost melodies of man & woman.

#002 — loomings

Ah! how cheerfully we consign ourselves to perdition!
—Herman Melville


Dear friends of Verse,

Happily, we got along well in the first issue. That, however, makes it all the more difficult to keep up with your expectations. Here’s an attempt: the intention of this issue, “Loomings”, could be rendered something like an arbalest—well-conceiled with shrubbery but perilous, and aimed straight at the heart (you have no way of telling if it’s there, you feel it). Or it could be this indistinct and magnified appearance of something massive, in a particular state of the atmosphere. Who knows, it could be love.

—March 2014

Featured Poets:

//Allan Peterson
//Levin Westermann
//Jericho Brown
//Peggy Neidel
//Dariel Suarez
//Marko Dinic


The painting in this issue is generously contributed by Stephan Dill, from his picture cycle “The Secret Garden”. While exhibiting across Europe, he works and usually lives in Berlin where, it is said, there are more gardens than we know. From this day on, though, you can meet him at Wiepersdorf Castle in Brandenburg, where he serves a term as artist-in-residence.


Allan Peterson

FLOCK

They could be what they could be
They had seen themselves do it
before the huge explosive fluttering
at take off hundreds together
the form of the unspeakable aggregate
no longer potential but actual the sound
of a great gloved applause something
they can only be with each other
They raft up quietly awaiting a fright

MEANING

The split moon is fulfilling its deal with darkness
how much to give up how often and how long
to become the face on the waters looking back at itself
So what is meant is a little beyond the words
and next to them and under as shadow as something
they give off themselves the shadow’s shadow
that is the nothing but what it is and nothing after

SNOW MACHINE

As if the 19th century made a weather
wildly full of wheels and delicate clock parts,
the largest machine ever with interlocking springs,
laces like chains, ratchets, skyfulls of gearbox,
so that within the unforeseeable ratios
of a front lasting twenty miles,
the wind will be cranked up as if on wires,
temperature be let down by its teeth,
like an acrobat whirling,
the cows and the mountains fading into each other
or white napkins if it’s cold.
And we are in it, ornamental, looking out
from the glass like a snowing paperweight,
our houses drifted over us.
Once covered, we never recover, the machinery
above lost on us. The weather, unable
for all its pulleys to turn us over,
shake anything loose.


Allan Peterson is a poet and visual artist, dividing his time between Florida and Oregon. He is the author of four full-length collections of poetry and seven chapbooks. He has been nominated for and awarded prizes galore (among them a Juniper Poetry Prize) and published widely in magazines and collections. His poetry shows references to the stroke of the brush, the movement of the eye across a canvas that seems to be made of sound.
Having exhibited widely in galleries and museums, Peterson has also served as Chair of the Visual Arts Department at Pensacola State College. His exquisite mustache bears witness to the elegance, finesse, and meticulousness of his poems.
His latest collection of poetry Fragile Acts has appeared with McSweeney’s, and was a finalist for both the 2013 National Book Critics Award and The Oregon Book Award.


Levin Westermann

3 Gedichte

wir sind von oben in den wald gegangen,
da war es nicht mehr früh im jahr. der hang ganz rot,
rot mit gelb, und jemand, den wir kannten, war gestorben
letzten winter, gestorben letzten sommer, im frühling
und im herbst und überhaupt, er war jetzt tot
und kam auch nicht mehr wieder. das schweigen im strauchwerk,
die stille im holz. und wir fanden einen vogel,
der trug ein kleid aus fliegen, das schimmerte im laub.
die fliegen schreckten auf, sie schwärmten aus, da lag der vogel nackt bis auf das fleisch.
da war nichts, sagst du heute. damals haben wir gestarrt, vermutlich der bewegt sich nicht gesagt.

···

hinter den bäumen
kommt sturm. schwerer horizont. wolkenberge,
masslos plastisch. blitze
schneiden das dunkel. donner tönt. verzögert,
leicht
versetzt. der unterschied von schall
und licht. pursuit, pursuit. ein wind,
kein rauch (noch nicht) —

···

im flur liegt eine kalte spur aus stille
und an die nase dringt ein hauch von unbekannt verzogen.
dielen wälzen sich im schlaf und künden von den stimmen,
der musik und auch dem lachen, früher, in der luft.
und wenn man annimmt, dass es blumen gab in dieser bleibe
– und warum nicht – so künden jene dielen auch vom fehlen
dieser blumen, von den farben ihrer blüten und dem bukett
der farben an den fenstern. und wenn man annimmt,
dass das holz der dielen nie vergisst – und warum nicht –
so ist es eine elegie, so kündet all das knarren von der zeit
in enger nachbarschaft, dem liegen mit dem einatmen,
dem ausatmen, dem bis-dass-der-tod-euch-scheidet
schweigen.

—alle Gedichte aus: unbekannt verzogen. luxbooks, 2012.


Levin Westermann ist ein Kind der 80er, was man aber an den Farben seiner Gedichte nicht erkennt. Er studierte in Frankfurt und am Schweize­rischen Literatur­institut in Biel. Mit seinem Triumph beim Open Mike erschien er 2010 auf der europäischen Literaturbühne und ist seitdem gern gesehener Gast in verschiedenen Publikationen und Anthologien (unter anderem Der gelbe Akrobat).
Seine Gedichte, wie auch in dieser Auswahl ersichtlich, arbeiten mit Zartgefühl und Scharfsinn für das ominöse, das sich Anbahnende, während sie es trotzdem schaffen, klar, fokussiert und wunderbar sehnig zu bleiben. Der Debütband unbekannt verzogen, in dem auch diese Gedichte zu finden sind, erschien 2012 im luxbooks Verlag.


Jericho Brown

’N’em

They said to say goodnight
And not goodbye, unplugged
The TV when it rained. They hid
Money in mattresses
So to sleep on decisions.

Some of their children
Were not their children. Some
Of their parents had no birthdates.
They could sweat a cold out
Of you. They’d wake without
An alarm telling them to.
Even the short ones reached
Certain shelves. Even the skinny
Cooked animals too quick
To catch. And I don’t care
How ugly one of them arrived,
That one got married
To somebody fine. They fed
Families with change and wiped
Their kitchens clean.

Then another century came.
People like me forgot their names.

Heartland

This is the book of three
Diseases. Close it, and you’re caught
Running from my life, nearer its end now
That you’ve come so far for a man
Sick in his blood, left lung, and mind.

I think of him mornings
I wake panting like a runner after
His best time. He sweats. He stops
Facing what burned. The house
That graced this open lot was
A red brick. Children played there—
Two boys, their father actually
Came home. Mama cooked
As if she had a right to
The fire in her hands, to the bread I ate
Before I saw doctors who help me
Fool you into believing
I do anything other than the human thing.

We breathe until we don’t.

Every last word is contagious.

Obituary

Say I never was a waiter. Say I never worked
Retail. Tell the papers and the police, I wrote

One color and wore a torn shirt. Nothing
Makes for longevity like a lie, so I had a few

Fakes and stains, but quote me, my hunger
Was sudden and wanting. I waited, marked

Time with what heart-
Beats I could hear, bumped my head nodding

At home. Some boys walked to my bedroom
In boots. Some of me woke wheezing the next

Morning wherever snow didn’t fall by the foot
In a day. Beyond that, a name. For proof, a finger

Pointing forward. When you measure the distance
Between this grave and what I gave, you’ll find me

Here, at the end of my body and in love
With Derrick Franklin, gift of carnelian,

Lashes thick as a thumb. Some men have a mind
For marriage. Some never

Leave home. If the body is a corporation,
I was the guy in charge of blood, my man

The CEO of bone. He kept a scandal
In my pocket. I sucked in my gut because I wanted

The lights on. Should a fool come looking
For money, say I was a bag boy and a nanny.

Beyond that, a nation looking backward. A smile
That would shine like the last line of cocaine.


Jericho Brown is the recipient of the Whiting Writers’ Award and fellowships from the Radcliffe Institute for Advanced Study at Harvard University and the National Endowment for the Arts. His poems have appeared in The Best American Poetry 2013, The Best American Poetry 2014, The New Republic, and The New Yorker. Brown is currently Assistant Professor at Emory University.
His poems sketch images of brutal and beautiful life, at the center and in the periphery of our human selves. Like a Son House record, they seem to burst with soul and prowess, rebounding into pain and intimacy, or vice versa.
His first book, Please, won the American Book Award, and his most recent book, The New Testament, will be published in the fall of 2014.


Peggy Neidel

sei doch ein fehler

du schneidest passepartouts, damit ein bild deine wand ziert
deine vorstellung einer gemütlichen erkenntnis in deiner behausung
versperrt kein ausgang den weg zu einem inneren rätsel

und kein rätsel versperrt den weg zum bestmöglich gezimmerten du
deine schnelligkeit
wenn es darum geht dich einzurichten in einer welt
in der handwerkliches geschick gefragt ist
das schafft dich

dein lächeln wird blau
du klingelst
sei doch
sei doch ein fehler

—aus: weiß. Verlag poetenladen, 2013.


Peggy Neidel, geboren in Zwickau, studierte Germanistik und Neuere Geschichte in Düssel­dorf. Sie ist eine der starken neuen Stimmen der deutschsprachigen Lyrik und Mitbegründerin des Literaturclub Düsseldorf. Als freie Journalistin und Kritikerin arbeitet sie unter anderem für den Freitag und die taz. Zuletzt erhielt sie das Arbeits­stipen­dium des Landes Nordrhein-Westfalen und ver­öffent­lichte Lyrik in Zeitungen und Literatur­maga­zinen.

2013 erschien im poetenladen Verlag ihr Debüt weiß in der Reihe Neue Lyrik.


Dariel Suarez

Madmen

All this talk
of ancestors
and we have yet
to learn
how to speak
to the stones.

The stem that cracks
the rocks, it sings.
Lend an ear,
make out a note,
give it water
and even
the shattered stones
will drink.

The work of madmen
is to garner
secrets,
so why not harvest
the earth’s
until we can grow
ourselves from it,

flowers
splitting concrete.


Dariel Suarez was born and raised in Havana, and earned his M.F.A. in fiction at Boston University, where he was a Global Fellow. He’s one of the founding editors of Middle Gray Magazine and has taught creative writing at Boston University, the Boston Arts Academy, and Boston University’s Metropolitan College. Dariel’s writing has been nominated for a Pushcart Prize, and it has appeared or is forthcoming in numerous journals and magazines, including The Florida Review, Baltimore Review, and Versal, among others.
Dariel is an avid chess player, a rock guitarist, and a devout sports fan. He resides in Boston with his loving wife and his mischievous cat, Lyoto.


Marko Dinic

troedln : tr3ojka

praktisch : heck‘ heut nur (ge-)zaehl / von der unter:seite (m-)eines

2:stock:bettes (in)aus(out) ;
her-ab-her-auf, den latt(-en):rost : /
latte 1 um latte 2 um latte 3 usf(.)

theoretisch : das bass:(ge-)poche des clubs unterm latt(-en):rost,
unter (m-)einem hinter(-n) / ; /
dessen latte(-n) wi(e)der:um die krabbler zaehl(-en) usm(-ehr). (…)

ACH (ja) : und noch 1 excurs indie // : philosophia(-m) des all:tags / :

a = nach 3 tagen werden corn:flocken stein (…)
b = stein bleibt stein (auch nach 3 tagen) / , / aber die milch nicht milch :
(macht tssss (falls man wagt, zu schrauben).).
b* = (aufgrund 1es den leser(-Innen) unzumutbaren ekels,
wird dieser zu:satz gestrichen.)
c = (rororo-)ter ein:band :

«a. CAMUS : verteidigungderfreiheitbzw.politischundessayin1em /
(genie:streicherei!)» : laesst alles ueber s:ich er:gehen(!)

*zu:saetz(-e) :

«um der truegerischen einstellung, poetizitaet muesse einem
ge(h)dicht wie diesem oder jenen innewohnen, entgegenzuwirken
beziehungsweise um derselben einstellung im widerspruch zu begegnen,
werden folgende ereignisse den vorangegangenen zeilen beigefuegt :
ging mit einem guten freund, das lose fußwerk an miefigen fersen geklebt,
zur siedlung namens kámena … wildwuchsgehaeus, illegal, versteht sich,
noch zum zentrum gehoerend, wie man mir beteuerte …
von fließendem gewaesser nicht die spur, kacken im gebuesch,
wer sichs leisten kann, kacken in klaergruben …
von alten metallarbeitern gebaut iregendwannmal in den 60ern oder 70ern …
dafuer groteske glasflaschenkonstrukte, windungen als saeulen,
uebersetzt als muendung fuer ein unabhaenigigeres leben …
das mosaik da, auch aus den 60ern oder 70ern …
zu allerletzt ein rauchiges nachtgesprenst,
immer zwischen 3 und 5 uhr mit flackeraugen und
dreifaltigkeitsfingern vorm maul die umgebung segnend …
schließlich der halbsteile abstieg vom huegel,
der roter geschimpft wird, auf dem sich schoene kámena
vom rest des großstadtspottes zurueckzog …
irgendwann zwischen den 60ern und 70ern» …


Marko Dinic schafft mit unerhörter und -erlesener Interpunktion dichte und tiefe Bedeutungswelten, die seinen Themen in nichts nachstehen. Geboren 1988 in Wien, lebt und arbeitet er als freischaffender Autor in Salzburg, wo er, pendelnd zwischen Städten wie Belgrad, Stuttgart und München, Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte studiert. Im Frühjahr 2012 erschien sein erster Gedichtband namen: pfade bei der Edition Tandem. Zahlreiche Lesungen im deutschsprachigen Raum u.a. beim Literaturfest Salzburg, bei der Frankfurter Buchmesse und beim hoergeREDE Festival für neue Musik und Literatur. Zusammenarbeit mit dem Friedensbüro in Salzburg zum Thema Identität im ehemaligen Jugoslawien.
Künftig werden Marko Dinics Werke im Exil Verlag erscheinen, wo er bereits in einer Preisträger-Anthologie vertreten ist.


#001 — beginnings

That the powerful play goes on, and you will contribute a verse.

—WALT WHITMAN


Dear new Friend: An adequate form for poetry on the web is long overdue. Verse presents a first step in that direction — a departure to a new way for enjoying poetry, however and wherever you want it, with a focus on the triad of poem, reader, and poet. Verse presents fine works of select contemporary poets in English & German, entirely for your pleasure. This is the first issue. It is about “Beginnings”.

—February 2014

Featured Poets:

//Douglas S. Jones
//Lydia Daher
//Thérese Halscheid
//Sina Klein
//Iván Iglesias
//Lyrikkollektiv G13


Douglas S. Jones

Discretion at the Back of the Bus

Like anywhere those days, it was all mouthfuls
of Fun Dips and snorts of Pixie Stix. Outside,

Farmer So-And-So’s orchard sped by,
crowned by circling Turkey Vultures.

This emergency exit real estate
was where we pushed against

the world, its droughts and dry-rot:
the topics lingering in conversation

above the dinner butter dish. For this while
no math, no Periodic drills—

just the first dares of what our bodies
could take: the rubber band’s welt, the crystalized sting

of sugar up the nose. Just the first small taste
of a kind of shared privacy, shameless and enduring.

Still Life with Argument

We throw skillets down
to the linoleum, shout at each other
with the coldness of the refrigerator’s open door,
lob insults like pickle jars. Between new articulations of mess,
we wait to hear the dog licking
just to yell at him to stop. Nights like this,
everything the mouth can do is an insult.

Winter Fragments

···

the spider hanging from the porchlight
also ascends

···

the snail is a snowball
that is always melting

···

sometimes smoke
curls like segments
of the caterpillar before
its unweaving:
raw silk
sitting in the air

···


Douglas S. Jones is a man of many merits, including glass blowing, which he teaches besides writing in Kalamazoo, Michigan. His poems are carefully crafted pieces made of smelted-down shards of the divinely ordinary, the culinarily inspired, of man in the animal and animal in the man.
Douglas is still a rare beast on the internet, but not in print: his poems have appeared in or are forthcoming in The Pinch, Blackbird, Barrow Street, Sentence, and elsewhere, his extraordinary poem “Centrifugal” has been featured in American Life in Poetry, and his volume No Turning East appeared with Pudding House.


Lydia Daher

So fängt es immer an

Mit einem Springbrunnen.
Mit einem Schattengitter auf dem Fuß.
Mit Leuten wie uns
und ihrer Fortsetzung vom Ende.

Es ist ein Sonntag aus
Sonne und Wasser.
Und ich schaffe es nicht,
an Treibholz zu denken,
während ich deine Füße betrachte.

Die Module der Wolken,
die über uns mauern.
Die Flucht der Schwalben.
Die faulenden Blätter.
Ich möchte dir das nicht erklären:

Wie schnell man sich
an die Schönheit gewöhnt.

Der Tag ist perdu, die Vögel pfeifen.
Der Anblick von Herbstlicht
auf deinen Armen war eben
noch irgendwas wert.

Die Fenster in diesem Abteil

nach Jürgen Becker

Fahrtlärm, Dämpfe, Erinnerungen:
zwei Menschen am Ende des Gangs.
Links und rechts fallen Schwalben,
heruntergeschrien vom Himmel.
Schwere Transporte aus Bitterfeld.
Drei Bagger auf sandigen Brachen.
Die Tage nach dir sind noch nicht gezählt.
Aber jemand wird den Anfang machen
mit einem Blick oder Versprechen.
Einer wird weiter gehen als du.
Durch mich hinein in einen Raum
zum Fliegen.

Kutikula

Es war spät, im Mai.
Der Frühling fiel in sich zusammen
wie eine falsche Vermutung –
und der Himmel brach frei
und fand einen Ausweg.
Ich stützte mich auf Gegenwart.
Dachte: Abschied ist nur eine Metapher,
und ritzte: Abschied ist eine Metapher
in den Panzer einer reglosen Puppe.
Ich taufte sie Kutikula,
denn es klang schön,
nach Zauberspruch
oder dem Schlachtruf der Fibrillen.
Panzer, hurra, Kutikula –
wurde umtanzt am Espenast
von siebzig wollnen Kätzchen.
War Mittelpunkt im Mobile der Mumien,
dacht ich und lag noch lange still im Gras,
dem Knistern ihrer Häutung lauschend.
Und als ich nach Stunden erwachte,
da war ich grüner noch als sonst
hinter den Ohren,
mit einem Schmetterling
zum Feind.

—alle Gedichte aus: Insgesamt so, diese Welt. Voland & Quist, 2012.


Lydia Daher beschäftigt die Anatomie der Begegnung, des Zusammentreffens und -seins mit sich und der Welt. Was sie sagt, sagt sie verständlich, keineswegs aber lapidar. Im Gegenteil entdecken bei ihr die kleinen, scheinbar eindimensionalen Dinge manchmal eine wunderbare, manchmal eine erschreckende Tiefe.
Lydia Daher hat schon etliche Preise heimgetragen und musste Interviews in fast allen deutschen Zeitungen geben, die noch etwas gelten. Ihre Musik ist ziemlich gut. In Kürze erscheinend bei Voland & Quist: Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies.


Therése Halscheid

First Orbit

It was enough to feel you through my clothes
and later to lie beside you, and later
in the loft, still dressed, to turn toward you
on my side.

We know well of rotations.

You pull me over you
and my body orbits, slow, as if
weightless in space, going beyond
the atmosphere of noise, then clouds, up
where our eyes turn to stars, where
your hand cups my waist
as a sliver of moon.

Don’t look down, you say. Not yet. Yet,
we remain like a sky that cannot fully undress.

I question the heart and what it will hold.
I worry too much over earthly things:

of gravity, of time,
that what began in the dark, the dawn
would soon burn off.


Therése Halscheid is a rambler. She teaches creative writing wherever possible in varied settings, including colleges & high-schools. Widely traveled, she inspires, delights, and connects people over and across the globe. Aside from artist residencies, since 1993 she has been a house-sitter to write; in rugged swamps, log cabins, elk farms and adobe homes.
An outcome of this nomadic lifestyle is her Visual Diaries, multi-sensual exhibit of photographs and poetry. Therése is the author of four poetry collections, her poetry and prose have been published in a huge variety of places. She is one of the few poets who was able to publish a Greatest Hits collection.


Sina Klein

un poil dans la main

im augenwinkel stauben braune falter.
ich halte ein haar in der hand, um zu altern,
ich starr es am ende noch brüchig und grau:
wenn ich hochseh, schau ich genau
in den grünen star – ich habe

ein haar in der hand

das muss von einem tier gekommen sein,
wie interessant, dass es gerade hier
gelandet ist, ich halte es und teile es durch vier,
es ist mit mir verwandt, so abgetrennt
im warten auf den wind – gespalten.

verschütt

laßt die thiere in frieden,
ich leids nicht, daß ihr sie stört

als wir verschütt gegangen waren
in den waben der stadt,
im dunkelsten honig
die fühler verbargen und summten,
da fielen die farben von uns ab

– da waren wir nackte immen
im wachdienst, schwitzten,
verschlossen mit wachs alle fenster
und tagten uns tiefer in den beton;
als wir verschütt gegangen waren

gaben wir die legenden über
die wände weiter, weißt du noch
– die weiselzelle, wie sie roch?
da war auch der mond und ich sprach
in sechs nischen hoch n von den
verschütteten.


Sina Klein ist 1983 in Düsseldorf geboren, wo sie auch lebt. Sie studierte Romanistik, schreibt Lyrik und rezitiert. Oft „kippen“ ihre Gedichte vom Bekannten ins „Unwirkliche, Chaotische um“ (Bettina Hohoff), stellen so die gewohnte Wahrnehmung auf den Kopf und thematisieren Paradoxien des inneren Erlebens. 2013 war sie Finalistin beim Literarischen März, seit 2012 unterstützt sie das Literaturmagazin PROTO redaktionell. Gedichtveröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien, zuletzt in Gegenstrophe (Nr. 5). Im Herbst 2014 erscheint ihr Lyrikdebüt narkotische kirschen im Klever Verlag.


Iván Iglesias

Only You

Little horse
Tiny cat
Small dog
and more…
Lying across my way.

Plastic pots
Wooden spoons
Pretty cups
In search of their own space
Remain lost on the filthy carpet.

Then…
A loud cry
catches my eye
And I can sense the putrid smell
That controls the space I dwell.

I see…
A puffy
crawling figure skulking around
While pouring out a slimy substance
From a naked
open mouth.

Slow
Wobbly
Robotic movements approach me…

I look down
And you are there
With your pretty face
Borrowed from your mother

You again…

Only you!


Iván Iglesias is a native of Colombia, now an “Arkansas Traveler” and ambassador of the state. He is a PHD-candidate in Comparative Literature and Cultural Studies concentrating on violence in Latin American Literature, and has had teaching appointments across the United States, now as a full-time Assistant Professor at John Brown University.
In his poems, it is clear to observe his obsession with the passing of time and the theme of Death. In his presence, it is clear to observe his sincerity and kindness.


Lyrikkollektiv G13

das war absicht

(Auszug)

wenn es losgeht, soviel sonnenbrille kannst du gar nicht fressen. meine füße sind eine neurotische zunge über dem off, mein haar ein ball, dem ich manchmal vertraue. es sieht gut aus, wenn ich einen tankdeckel berühre, das ist absicht. restless leg, nervöser kiefer. es ist besser wenn man abends fährt, besser, verstehst du?

ich hab das gelernt, tankstelle, benzin und so. regeln für die regel, kein feuerzeug an feuerstellen, kein abgas in lastern. brennt es in kleingärten, träum ich von tannen. von freiheit, was ihr fall mir bedeutet. brennt es in den tannen, zöger ich nicht. sattle den mustang, pomade im haar, sag: na bidde, 200 km/h auf der trasse und ist das nichts? hinterm horizont kommt ein neuer morgen, kommt die erinnerung an dinge, die ich nicht erlebt habe, milch und sirup, bienen und so, summt die antwort meiner heckscheibe: ja, ich liebe das immer noch immer noch immer noch.

abwarten also, ich steh an der ampel, allmählich verlieben sich die ersten passanten in mich, sie brauchen keine 5 minuten dafür und meinen es ernst. ich nehm die abkürzung, 500m durch einen nie enden wollenden mittag, ein besen auf der straße macht krchkrch, eine asthmatische lunge über asphalt. wir rauchen im gleichschritt, wünschen uns, was mama nicht kannte: leichtigkeit, ein heißes würstchen für zwischendurch, frostschutz und rabattmarken bei km 370. love me tender, love me true, ein scheerkamm geht mir durchs haar, dieser tick aus jeder reise ein exil zu machen, den koffer ans ende vom lichtstrahl zu tragen, wer weiß schon, was das wirklich heißt?

ich bins, bin umzingelt von ungeheuern und paraphrasen. dressierte floskeln, an dieser stelle ist alles genauso gemeint. wir weinen heimlich, sagt jemand, FUKA FUKA, ich will noch bei aral vorbei. dann mit dieser frühstücksmine zwölf packungen halbe sauber über den tisch. ich sehe mich aus dem wagen stürzen, ich sehe mich mit sieben meilen geschultert über außenspiegel desertieren, über die knisternde leuchtreklame mitten am tag, kahle monitore, parade nach san marino, denk ich: scheiße, elvis denkt: yeah, ichdenkewieelviswaselvisdenkt: scheiße yeah. wenn die sonne nicht zuschlägt tut’s keiner, oder es tut weh. ich kenne keinen halt mehr, dreh die lautstärke auf gegen das sichere wissen, eine regel zu verletzen, die ich genau kenne. obacht! dies ist eine deutsche ampel, schwarz-rot-fick dich, ich bin schon hinterm comer see.

ein abschließender blick in die schwummelkiste: SCHWUMMELKISTE? BIST DU DIR SICHER? auf dieser bulle zeichnen unten
stehend edelleute in der reihe
für ein rechteck dessen inhalt folgt sobald der rest der reihe feststeht

sich schämen für die flüchtige haltung, das bisschen protest. es fehlt an autorität, es endlich in den mund zu nehmen. dabei sind wir es immer, die stramm stehen, wir wechseln im grunde nur das revers, hocken im graben und halten zwischen lastern den kopf in die luft. diese urige angst, jemand ko?nnte mit dem finger auf dich zeigen und sagen: du!

ich steig aus, diese reise macht keinen sinn mehr, schlag ein, gummi frisst sich in asphalt, ein demotape leiert durchs getriebe und hinter den tälern beginnt ein neuer berg, neuer morgen. ich dreh um, fahr den ganzen weg zurück, ohne handtuch, ohne seife im koffer und frühstück. die augen ein loses gebälk am kühler, am hang trabt die herde, die brennende herde. herr, vergib uns, schenk uns erlösung, eine stange kaumgummi, duftbäume, ein feuchtes tuch an der zapfsäule und haare.

wenn an dieser stelle etwas durchgeht, was nicht mehr bedeutet, dass wir an gewalt zu glauben haben, wenn unser innenleben auswandert, uns übermittelt wird, wir seien archive, parkhäuser in einem neu erschlossenen gebiet, wo die zwerge aufs dach steigen und sagen: los, die ganzen träume in den ärschen der leute sich einen partyhut aufsetzen, wenn wir diese beschissene ampel endlich verlassen haben und schlafen gehen, mit dem sicheren wissen, es gibt eine neue art aufzuwachen, dann ist elvis mit uns bei aral.

—aus: das war absicht. SuKuLTuR, 2013.


G13 ist das wohl umtriebigste Lyrikkollektiv und Zuhause einiger der hellsten Geister der deutschen Lyrikszene. Seine Mitglieder, alle zwischen ’80 und ’90 geboren, legen ihre Lyrik auf den Seziertisch, präsentieren und diskutieren sich, veranstalten Lesungen und Workshops, finden zusammen und wehren sich gegen Konkurrenzdenken und den Dichter als isoliertes, geheimniskrämerisches Genie.
Bei ihren kollektiven Werken ballert und fetzt einem der gezielte Überschwang der G13 nur so um die Hirnrinde. Von diesem Elan kann man sich auf einer Tour des Kollektivs wegblasen lassen, oder von der bei luxbooks erschienenen Anthologie 40% Paradies und dem Band das war absicht von SuKuLTuR. Jede_r Einzelne dieser jungen Wilden sollte zudem näher ins Visier genommen werden.

 

MANIFESTO

Verse is a web magazine with a human, modern, professional appeal, specifically designed for poetry — that is, the actual reading of poetry, seamlessly across all devices. It delivers lyrical content according to the needs of the readers, wherever and however they like to indulge in it.

Verse does not want to be the next Paris Review or Poetry Foundation, but instead aims at presenting fine poems in English and German. It will feature poets published and not-yet-published, for a curious, passionate readership. It is a place for discovery, a starting point for poetic endeavors, a new opportunity of publishing an enjoying verse.

Verse wants to be classic, timeless, and emotionally appealing; less “we are totally hip, extreme, absurdly inconvenient, and revolutionary”, more “this is good because it will move you”. It won’t be about big names, it will be about the poems and the poets.

Verse is free and ad-free, offering poetry without distractions: no “we have great other stuff”, no “we are on facebook”, no tags, no ads, no gloss, no bubblegum. Rather, its focus is on good typography and perfect, relaxed readability.

All rights remain with the artists. They will be introduced and featured with one to three poems. They will be linked to from Verse according to their preferences. Publishers will be named and linked-to accordingly.

Issues will appear approximately bimestrially.

Every issue will center loosely around one theme and feature one (and only one) high-quality, representative artwork.

The focus of the magazine is poetry in English and German, without translations. The purpose is to foster curiosity and a re-establishment of the German- and English-speaking lyrical connection, a tradition in the vein of poets like Paul Celan, Rika Lesser, Hans Magnus Enzensberger, or Rosmarie Waldrop.

There are, for now, no limitations on theme, style, or variation.

Verse is edited by Nino Rapin & Jared Chapman.


Verse ist ein Web-Magazin mit menschlich-modern-professionellem Anspruch, speziell für die Lyrik entworfen — will sagen, für das eigentliche Lesen der Lyrik, nahtlos auf allen Bildschirmen. Verse liefert poetische Inhalte, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Leser, wo immer und wie auch immer sie diese genießen möchten.

Verse will weder die nächste Paris Review oder Das Gedicht werden, sondern schlicht lesenswerte Gedichte auf englisch und deutsch publizieren. Es werden verlegte und noch-nicht-verlegte Dichter einer neugierigen, leidenschaftlichen Leserschaft vorgestellt. Es ist ein Ort der Entdeckung, ein Ausgangspunkt für poetische Unterfangen, eine neue Möglichkeit Lyrik zu publizieren und zu genießen.

Verse will klassisch, zeitlos und emotional ansprechen: weniger „wir sind ultrahip, extrem, absurd unkonventionell und revolutionär“, mehr „das hier ist gut, denn es wird dich berühren“. Es wird nicht um große Namen gehen, sondern um die Gedichte und die Dichter_innen an sich.

Verse ist umsonst und ohne Werbung und bietet Lyrik ohne Ablenkung. Nichts dergleichen wie: „wir haben noch anderes cooles Zeug“, kein „folge uns auf Facebook“, keine unnötigen Links, kein Glitzer, kein Hubba Bubba. Die Essenz ist gute Typographie und perfekte, entspannte Lesbarkeit.

Alle Rechte bleiben bei den Künstler_innen. Sie werden vorgestellt und mit einem bis drei Gedichten repräsentiert. Verse verlinkt sie nach ihren Wünschen. Verlage werden explizit genannt und ebenso verlinkt.

Ausgaben erscheinen ungefähr alle zwei Monate.

Jede Ausgabe hat ein Thema als vages Zentrum, das neben den Gedichten durch ein einziges hochqualitatives Bild/Kunstwerk repräsentiert wird.

Der Fokus der Magazins ist Lyrik auf englisch und deutsch, ohne Übersetzung. Ziel ist explizit auch, Neugier auf die jeweils „andere“ Lyrik zu wecken sowie eine Wiederaufnahme der englisch-deutschen lyrischen Verbindung, eine Tradition entlang der Arbeit von Poeten wie Paul Celan, Rika Lesser, Hans Magnus Enzensberger und Rosmarie Waldrop.

Es gibt momentan keine Einschränkungen in Bezug auf Thematik, Stil oder Variation.

Verse wird herausgegeben von Nino Rapin & Jared Chapman.

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The next issue will loosely drift around “Leaps”.

The issue after that welcomes poems that concretely or peripherally deal with “betweens”.

Verse Magazine is edited and published by Nino Rapin & Jared Chapman. You’re welcome to say “Hi” — we’re curious and meticulous, but friendly.

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Die nächste Ausgabe dreht sich lose um „Sprünge“.

Die übernächste Ausgabe heißt Gedichte willkommen, die sich konkret oder peripher mit dem „Dazwischen“ beschäftigen.

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